Geiselbachkanal

Sanierung des Geiselbachkanals

Der Geiselbachkanal entwässert den gesamten Stadtteil RSKN. Der mittig unter der Straße verlaufende Kanal ist den heutigen Verkehrslasten nicht mehr gewachsen und wird daher umfassend saniert. Dieses außergewöhnliche Bauprojekt sichert den Bewohnerinnen und Bewohnern der nördlichen Stadtteile die Abnahme ihres Abwassers für die kommenden einhundert Jahre.

Aufräumarbeiten nach Starkregen
Aufräumarbeiten nach Starkregen.
Bei den Grabungen wurden Reste der Stadtmauer und ein spätmittelalterliches Einlassbauwerk für den Geiselbach freigelegt.
Bei den Grabungen wurden Reste der Stadtmauer und ein spätmittelalterliches Einlassbauwerk für den Geiselbach freigelegt.
Gemälde von August Braisch, spätes 19. Jahrhundert, wohl nach älterer Vorlage gemalt. Vor der Stadtmauer erkennt man ein aus Quadersteinen gemauertes Bogengewölbe. Hierbei handelt es sich ursprünglich nicht um eine Brücke – diese wäre viel zu steil – sondern vermutlich um Reste einer Streichwehr zum Schutz der Befestigung.
Gemälde von August Braisch, spätes 19. Jahrhundert, wohl nach älterer Vorlage gemalt. Vor der Stadtmauer erkennt man ein aus Quadersteinen gemauertes Bogengewölbe. Hierbei handelt es sich ursprünglich nicht um eine Brücke – diese wäre viel zu steil – sondern vermutlich um Reste einer Streichwehr zum Schutz der Befestigung. Privatbesitz.
Lückenschluss
Lückenschluss: Mit dem Einsatz des letzten Rohrs geht der untere Kanalabschnitt wieder in Betrieb.
Tunnelblick durch GFK-Rohre
Im unteren Bauabschnitt werden GFK-Rohre in den Bestehenden Kanal eingeschoben.

Aktuelle Informationen für Anlieger

Zu Fuß sind sämtliche Grundstücke im Baufeld durchgehend erreichbar, doch die Zugänglichkeit für Fahrzeuge ändert sich mit zunehmendem Baufortschritt. Wir informieren Sie laufend über anstehende Änderungen, damit Sie stets wissen, welche Grundstücke wann und wie angefahren werden können.

Der Geiselbachkanal

Kanalbegehung

Zwischen Sulzgrieser Steige und Augustinerbrücke verläuft der Geiselbachkanal mittig unter der Straße. Hier wurde der ursprüngliche Lauf des Geiselbachs schrittweise mit einem Sandsteingewölbe überbaut. Es handelt sich um einen Mischwasserkanal, der das gesamte Niederschlags-, Schmutz- und Oberflächenwasser der nördlichen Stadtteilen abführt. Bei stärkeren Niederschlägen können hier bis zu 18 m³/s Wasser abfließen.

Der etwa 500 m lange, sanierungsbedürftige Kanalabschnitt lässt sich in drei Teilbereiche aufteilen:

  • Der untere Bereich verläuft über etwa 260 m von der Augustinerbrücke bis zur Einmündung der Turmstraße. Hier handelt es sich um einen Betonkanal, der ausreichend überdeckt ist, aber dennoch Risse aufweist und saniert werden muss.
  • Im Einmündungsbereich der Turmstraße befindet sich ein Absturzbauwerk, das den Versatz in der Kanalsohle zwischen den beiden anderen Kanalabschnitten höhenmäßig ausgleicht. Das Bauwerk hat eine Ausdehnung von ca. 34 m Länge, ca. 3 m Breite und zwischen 2 und 3,5 m Höhe.
  • Der obere Kanalbereich vom Absturzbauwerk bis zur Einmündung der Sulzgrieser Steige ist etwa 230 m lang. Hier weist der Kanal eine viel zu geringe Überdeckung auf, teilweise sind es nur 60 cm bis zur Straßenoberkante. Die Fugen des Sandsteingewölbes sind hier bereits weitgehend ausgespült, erste Steine lösen sich bereits von der Decke. Ein Neubau des Kanals ist in diesem Bereich unumgänglich. Aufgrund der beengten räumlichen Verhältnisse kann der Neubau hier nur unter Vollsperrung erfolgen.

Sanierungsgrund

Untersuchungen im Sommer 2017 haben gezeigt, dass der mehr als hundert Jahre alte Kanal den heutigen Verkehrsbelastungen nicht mehr gewachsen ist und einzustürzen droht. Hinzu kommen Starkregenereignisse, die dem Kanal zugesetzt haben. Daraufhin wurde der Verkehr über 7,5 t umgeleitet, die Geschwindigkeit auf 20 km/h begrenzt und in Teilbereichen eine stabilisierende Abdeckung eingebaut, um die Straße, die täglich von etwa 17.000 Fahrzeugen befahren wird, bis zur Sanierung weiternutzen zu können. Eine umfassende Sanierung des schadhaften Kanalabschnitts ist jedoch unumgänglich, um den Bewohnerinnen und Bewohnern von RSKN weiterhin die Abnahme ihres Abwassers zu ermöglichen.

Arbeiten

Die Arbeiten erfolgen in zwei Bauabschnitten:

Im ersten Bauabschnitt wird der untere Teilbereich des Kanals mittels glasfaserverstärkter Kunststoffrohre saniert, die in den Kanal eingeführt und dort verbaut werden. Durch diese minimalinvasive Methode kann der Verkehr zumindest einseitig aufrecherhalten werden.

Im zweiten Bauabschnitt muss der obere Teil des Kanals tiefer in die Erde verlegt werden. Ein Neubau unter Vollsperrung der Straße ist hier unumgänglich.

Gleichzeitig müssen etwa 200 Hausanschlüsse untersucht und erneuert werden. Auch ersetzen die Stadtwerke und andere Leitungsträger vorhandene Leitungen. Hinzu kommt der Straßenneubau, der zusammen mit dem Kanalneubau abschnittsweise erfolgt. Für den Radverkehr wird in der Mittleren Beutau bergaufwärts eine eigene Spur eingerichtet. Hierfür müssen fünf Bäume und etwa fünfzehn Stellplätze weichen. Ersatzweise werden drei Bäume neu gepflanzt.

Herausforderungen

Besondere Herausforderungen der Sanierungsarbeiten bestehen vorallem in der umfangreichen Baustellenlogistik und dem komplexen Baugrund. Auch können die Arbeiten nur in kleinen Abschnitten erfolgen, um den Anwohnerinnen und Anwohnern sowie den Rettungskräften jederzeit den Zugang zu den Grundstücken zu ermöglichen.

Hinzu kommt, dass das gesamte Abwasser mangels Alternativen weiterhin über die Geiselbachstraße abgeleitet werden muss. Hierzu wird eine temporäre Abwasserführung aufgeständert, die das Abwasser im Regelbetrieb abführt. Bei stärkeren Nierschlägen muss der Kanal allerdings geflutet werden. Dann müssen die Arbeiten umgehend eingestellt werden. Für die Arbeiter im Kanal muss daher jederzeit ein Notausstieg in erreichbarer Nähe sein.

Historische Zeugnisse

Im Bereich des Absturzbauwerks, an der Einmündung der Turmstraße, kreuzt die alte Stadtmauer den Geiselbachkanal. Hier befand sich auch ein altes Stadttor. Beide Anlagen mussten zwar oberirdisch dem Straßen- und Leitungsbau weichen, es sind aber noch Reste der Fundamente im Untergrund vorhanden, die als historische Zeugnisse der Nachwelt erhalten bleiben sollen. Die Sanierugsarbeiten nehmen hierauf Rücksicht und erhalten die Fundamente so weit als möglich.

Baukosten

Die Gesamtkosten für die Sanierung des Geiselbachkanals belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf 10,3 Mio. Euro. Für die Sanierung des unteren Kanalabschnitts werden 2,5 Mio. Euro veranschlagt, der Kanalneubau des oberen Abschnitts kommt auf 4,8 Mio. Euro. 3,0 Mio. Euro müssen für den Straßenneubau aufgebracht werden.

Insbesondere die Nebenkosten schlagen bei den Sanierungsarbeiten zu Buche. In die Optimierung des Verkehrsflusses auf der Umleitungsstrecke und das verbesserte ÖPNV-Angebot während der Sanierungsarbeiten werden mehrere Millionen Euro investiert.

Zeitplan

Die Sanierung des Geiselbachkanals erfolgt zwischen Mai 2019 und Juni 2021. Der Zeitraum der Vollsperrung wurde dabei auf ein Mindestmaß reduziert. Die Arbeiten erfolgen in zwei Abschnitten:

  • 1. Bauabschnitt: Mai 2019 – März 2020
    Für den ersten Bauabschnitt sind acht Monate veranschlagt. In dieser Zeit wird der untere Bereich des Geiselbachkanals auf der gesamten Länge der Geiselbachstraße saniert.
  • 2. Bauabschnitt: Ende März 2020 – Juni 2021
    Für den zweiten Bauabschnitt werden 15 Monate benötigt. Dabei wird der Geiselbachkanal im oberen Bauabschnitt neu gebaut.
Die Sanierung des Geiselbachkanals erfolgt zwischen Mai 2019 und Juni 2021. Der Zeitraum der Vollsperrung wurde dabei auf ein Mindestmaß reduziert. Die Arbeiten erfolgen in zwei Abschnitten
Zeitplan für die Sanierung des Geiselbachkanals

Auswirkungen

2. Bauabschnitt: Ende März 2020 – Juni 2021

Am 30. März 2020 ist der zweite Bauabschnitt angelaufen. Für Fahrzeuge ist die Durchfahrt durch die Geiselbachstraße/Mittlere Beutau bis Juni 2021 beidseitig gesperrt. Das bedeutet:

  • Kraftverkehr
    Für den Kraftverkehr erfolgt die Umleitung über den Hirschlandkopf und die Barbarossastraße in beide Richtungen. Um den Verkehrsfluss auf der Umleitungsstrecke zu verbessern, werden die Ampelschaltungen entsprechend angepasst, ein Freiläufer am Verkehrsknoten Neckar Forum eingerichtet und Linksabbiegemöglichkeiten am Hirschlandkopf gestrichen.
  • ÖPNV
    Die Stadt hat gewaltige Anstrengungen unternommen und Investitionen in Millionenhöhe getätigt, um den Busverkehr während der Vollsperrung zu einer attraktiven Alternative zu machen. Die Linie 109 verkehrt während des 2. Bauabschnitts bis zur S-Bahnstation Obertürkheim. Zwischen Eugen-Bolz-Straße und Neckar Forum wird eine Bus- und Radspur eingerichtet, die den Busverkehr deutlich zuverlässiger macht. An der Haltestelle Krummenacker ist der Umstieg zwischen den Linien 109 und 111 möglich. Die Bushaltestelle Katharinenstaffel wurde für zusätzlichen Busverkehr gerüstet. Es gibt spürbare Taktverdichtungen und Kapazitätserweiterungen. Bereits seit April 2019 sind Tagestickets sehr viel günstiger.
    Details zum Busverkehr erhalten Sie auf der Seite des Städtischen Verkehrsbetriebs (SVE).
  • Radverkehr
    Radfahrerinnen und Radfahrer können die Geiselbachstraße durchgehend nutzen. Allerdings müssen sie im jeweiligen Baubereich (ca. 50 m) absteigen. Auf der Umleitungsstrecke können Sie die neue Bus- und Radspur nutzen.
    Im Rahmen des Straßenneubaus in der Mittleren Beutau wird für den Radverkehr bergaufwärts eine eigene Spur eingerichtet.
  • Fußverkehr
    Fußgängerinnen und Fußgänger können die Baustelle jederzeit über eine gesicherte Führung passieren.

Verkehrsoptimierung

Um den Verkehr auf der Umleitungsstrecke bestmöglich abzuwickeln, wurden verschiedene Vorkehrungen getroffen:

  • Weil der ohnehin schwer belastete Verkehrsknoten am Hirschlandkopf während der Vollsperrung der Geiselbachstraße zusätzlich den Umleitungsverkehr aufnehmen muss, wurden die Linksabbiegemöglichkeiten aus der Hirschlandstraße in die Wielandstraße und aus der Rotenackerstraße in die Kennenburger Straße gestrichen. Stattdessen wird der ohnehin nur geringfügige Abbiegeverkehr über den Goerdelerweg bzw. die Urbanstraße geleitet. Damit erhöht sich die Leistungsfähigkeit der Hauptverkehrsrichtung um ca. 15 %, das sind rund 500 Fahrzeuge pro Stunde.
  • Die Ampelschaltungen auf der Umleitungsstrecke wurden an das zusätzliche Verkehrsaufkommen angepasst.
  • Am Verkehrsknoten Neckar Forum wurde ein Freiläufer eingerichtet. Die Durchfahrt von der Mülbergerstraße in die Ebershaldenstraße wird nun nicht mehr durch den Abbiegeverkehr aus der Grabbrunnenstraße beeinträchtigt.
  • Erforderliche Straßenarbeiten im Bereich der Umleitung wurden bereits im Vorfeld durchgeführt. Damit wird weiteren Verkehrsbehinderungen vorgebeugt und den Verkehrsteilnehmern bleiben zusätzliche Belastungen durch Straßenschäden erspart.

Bus- und Radspur

Auf der Umleitungsstrecke zwischen der Eugen-Bolz-Straße und dem Neckar Forum wurde stadteinwärts eine Bus- und Radspur eingerichtet, die auch vom Radverkehr mitgenutzt werden kann. Von der Busspur profitieren die Buslinien 105, 108, 110, 112, 132 und X20, die täglich 3.800 Fahrgäste transportieren. Durch eine eigene Spur können sie ihre Aufgabe als S-Bahn-Zubringer deutlich zuverlässiger erfüllen. Etwa 60 öffentliche Parkplätze mussten hierfür weichen. Der Erfolg der Busspur wir am nach Ende der Sanierungsarbeiten evaluiert, um auf dieser Grundlage über eine dauerhafte Einrichtung der Spur entscheiden zu können. Um einen Ausgleich für die Anlieger zu schaffen, wurde der Bereich Bewohnerparkgebieten zugeordnet. Außerdem können in den Nebenverkehrszeiten Ausnahmegenehmigungen zum Be- und Entladen beantragt werden.

In der Augustinerstraße wurde im Zuge der dortigen Sanierungsarbeiten bereits eine Bus- und Radspur eingerichtet, die sich bestens bewährt hat und nun ebenfalls zur Zuverlässigkeit des ÖPNV während der Vollsperrung beiträgt.

Busverbindung nach Obertürkheim

In Abstimmung mit der Stadt Stuttgart verkehrt die Buslinie 109 während der Vollsperrung von der Sulzgrieser Steige über Rüdern, Uhlbach bis zur S-Bahnhaltestelle Obertürkheim und zurück. Mit dieser Anbindung des ÖPNV an das S-Bahnnetz wird den Menschen in RSKN eine attraktive Alternative zum Auto angeboten.

Am unteren Ende der Sulzgrieser Steige wendet die Linie 109 mit einer Schleife über den Hellerweg. Fahrgäste, die in die Innenstadt wollen, werden dort bis vor die Baustellen gefahren und können die Baustelle dann zu Fuß passieren. Am Altstadtring kann man dann entweder in weitere Buslinien einsteigen oder zu Fuß weiter gehen.

Details zum Fahrplan der Linie 109 erhalten Sie auf der Seite des Städtischen Verkehrsbetriebs (SVE).

Poller zwischen Rüdern und Uhlbach

Mit der Vollsperrung infolge der Sanierung des Geiselbachkanals droht der illegale Schleichverkehr auf dem Wirtschaftsweg zwischen Esslingen-Rüdern und Stuttgart-Uhlbach weiter zuzunehmen. Darum hat der Technische Ausschuss des Gemeinderates der Stadt Esslingen beschlossen, den Schleichverkehr durch eine etwa 40.000 Euro teure Polleranlage mitsamt Beleuchtung auf der Gemarkungsgrenze zwischen Rüdern und Uhlbach zu unterbinden. Am 30. März, mit dem Start des zweiten Bauabschnitts, wurde der Poller in Betrieb genommen.

Landwirtschaftliche Betriebe sowie Grundstücksbesitzer oder -pächter, die in unmittelbarer Nähe auf der jeweils anderen Gemarkung Grundstücke bewirtschaften, können Nutzungsberechtigungen beantragen und bekommen bei positivem Bescheid eine Fernbedienung, um den Poller versenken zu können.

Bürgerinnen und Bürger aus Esslingen können ein entsprechendes Formular herunterladen und ausgefüllt per E-Mail oder Post an das Tiefbauamt der Stadt Esslingen schicken. Eine Karte auf der Webseite gibt Auskunft über die zur Durchfahrt berechtigenden Grundstücke.

Bürgerinnen und Bürger aus Stuttgart, die Grundstücke auf Esslinger Gemarkung besitzen oder bewirtschaften, müssen die Fernbedienung zur Bedienung des Pollers beim Ordnungsamt in Stuttgart beantragen.


Informationen zur Corona Pandemie

Bitte beachten Sie die aktuellen Meldungen auf: www.esslingen.de

Info

Übersicht

Zeitplan Mai 2019 – Juni 2021
Arbeiten Kanalsanierung und Straßenneubau
Verkehr Beidseitige Sperrung
Kosten 10,3 Mio. Euro
Träger Stadt Esslingen
Kontakt Tiefbauamt
Ritterstraße 17
73728 Esslingen am Neckar
tiefbauamt@esslingen.de
0711 3512-2413

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