HMS-Brücke

Ersatzneubau der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke

Die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke verbindet die Stadtteile Mettingen und Weil/Brühl. 1964 erbaut, weist die Spannbetonbrücke zahlreiche Schäden auf. Ein Ersatzneubau stellt die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung dar, um die Verbindung über den Neckar, die täglich von etwa 16.500 Fahrzeugen genutzt wird, für die kommenden 80 Jahre zu sichern.

Visualisierung des Ersatzneubaus
Visualisierung des Ersatzneubaus. Quelle: Leonhardt, Andrä und Partner.
Fernwärmebaustelle der EnBW
Fernwärmebaustelle der EnBW. Quelle: EnBW
Die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke
Die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke.
Schrägluftbild der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke
Schrägluftbild der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke.
Seitenansicht der Hanns-Martin-Schleyerbrücke
Seitenansicht der Hanns-Martin-Schleyerbrücke

Anlass

Brückenschäden
Schäden an der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke

Die Spannbetonbrücke (Spannbetonhohlkastenkonstruktion als Durchlaufträger über vier Felder) weist zahlreiche Schäden auf, die die Standsicherheit, die Verkehrssicherheit und die Dauerhaftigkeit stark beeinträchtigen. Darüber hinaus besteht die Gefahr der Spannungsrisskorrosion. Eine statische Nachrechnung auf der Grundlage der aktuellen Richtlinien und eine anschließende Wirtschaftlichkeitsberechnung kam zu dem Ergebnis, dass ein Brückenneubau die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Variante darstellt.

Um die Verkehrssicherheit der Brücke bis zum Neubau aufrecht zu erhalten, erfolgten 2017/18 Notinstandsetzungsmaßnahmen. Dabei wurden die Übergangskonstruktionen ausgetauscht, die Deckschicht erneuert sowie stellenweise Betoninstandsetzungen und kleinere Reparaturen vorgenommen.

Zeitplan

  • 10/2019: Baubeginn der neuen Fernwärmetrasse durch EnBW
  • 08/2020: Auftragserteilung
  • 09/2020: Beginn der technischen Bearbeitung und Vorfertigung für den Stahlbau
  • 01/2021: Sperrung der Brücke
  • 01/2021: Rückbau der Versorgungsleitungen
  • 03/2021: Errichtung des Stahlaufbaus auf die Bestandsbrücke
  • 04/2021: Inbetriebnahme der neuen Fernwärmeleitung durch EnBW
  • 05/2021: Rückbau der alten Fernwärmeleitung
  • 05/2021: Beginn des Brückenrückbaus
  • 08/2021: Brückenneubau
  • 01/2023: Einbau der Versorgungsleitungen
  • 03/2023: Anschlußarbeiten, Treppenanlagen, Straßenbau etc.
  • 06/2023: Eröffnung der neuen Brücke

Baukosten

Die Gesamtkosten für den Ersatzneubau belaufen sich auf etwa 27,2 Mio. Euro, einschließlich Planungs- und Nebenkosten sowie einer Haushaltreserve in Höhe von ca. 2,5 Mio. Euro. Eine Förderung von 6,63 Mio. Euro aus dem kommunalen Brückensanierungsfonds wurde bereits zugesagt. Angesichts der deutlich gestiegenen Kosten für den Ersatzneubau hofft die Stadt Esslingen jedoch auf weitere Fördermittel des Landes Baden-Württemberg.

Neue Fernwärmeleitung

Düker der EnBW
Der Düker der EnBW.

Der geplante Abriss der Hanns­-Martin-Schleyer-Brücke betrifft auch das Fernwärme-Versorgungssystem Mittlerer Neckar der EnBW. Bislang verläuft die Fernwärmehauptleitung zwischen den Kraftwerken Altbach und Gaisburg in einem Hohlkasten unter der Brücke. Da die Außerbetriebnahme dieser Leitung Voraussetzung für den Abbruch ist, baut die EnBW seit Oktober 2019 an einer neue Fernwärmetrasse, die per 184 m langem Düker 7,5 m unterhalb des Neckarflussbetts verlaufen wird. Ende April 2021 soll die neue Fernwärmeleitung in Betrieb gehen.

Herausforderungen

Die größten Herausforderungen sind:

  • die Verlegung sämtlicher Versorgungsleitungen,
  • der Rückbau unter Aufrechterhaltung des Schiffsverkehrs,
  • die beengten Platzverhältnisse,
  • umfangreiche Verkehrsumleitungen
  • und die kurze Bauzeit.

Verkehrsführung

Umleitungsplan für Kfz
Verkehrsführung für den Fahrzeugverkehr.

Während der Bauzeit wird der Verkehr in beiden Richtungen sowohl südlich über die neu sanierte Vogelsangbrücke als auch nördlich über die Hafenbahnbrücke in Stuttgart-Obertürkheim umgeleitet. Auf der westlichen Neckarseite verläuft der normale Umleitungsverkehr über die B 10. Um das Verkehrsaufkommen in der Pliensauvorstadt nicht weiter zu erhöhen, werden lediglich Fahrzeuge, die die B 10 nicht befahren dürfen, durch den Ortsteil geführt. Die Erreichbarkeit von Brühl, den Gewerbebetrieben an der Palmenwaldstraße, des Neckarcenters und des SWE-Parkhauses bleibt durchgehend gewährleistet.
 
Für den Neubau des Widerlagers der Brücke über die Palmenwaldstraße muss die Zufahrtsrampe auf die B 10 in Richtung Stuttgart und, aus Richtung Plochingen kommend, die Abfahrt von der B 10 voraussichtlich dreimal für jeweils etwa drei Wochen gesperrt werden. Die erste Sperrung erfolgt voraussichtlich im Juli/August 2021. Nähere Informationen hierzu werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Rad- und Fußverkehr

Umleitung für den Fuß- und Radverkehr
Verkehrsführung für den Rad- und Fußverkehr.

Der Fuß- und Radverkehr kann in Weil die B10 durch die Unterführung beim Neckarcenter queren und anschließen über der Steg von Brühl nach Mettingen und umgekehrt gelangen.

Der Neckartalradweg bleibt die meiste Zeit geöffnet. Ein Schutztunnel ermöglicht hier einen sicheren Weg unter der Brücke hindurch. Lediglich bei seltenen, direkt im Bereich des Neckartalradwegs stattfindenden Brückenarbeiten muss der Tunnel gesperrt werden. Die Umleitung für den Fuß- und Radverkehr erfolgt dann über die Siemensstraße und die Obere Wiesen.

ÖPNV

Führung des ÖPNV während das Ersatzneubaus
Liniennetzplan des ÖPNV während der Bauzeit.

Die Linie 102 endet während der Arbeiten in Weil. Die Haltestellen Palmenwaldstraße, Burgunderstraße und Bahnhof Mettingen werden bis zur Fertigstellung der Brücke nicht angefahren. Stattdessen wird die Linie aus Richtung ZOB voraussichtlich zunächst die Haltestelle Württembergstraße ansteuern und von dort über eine Ersatzhaltestelle im Kreuzungsbereich Weilstraße/Wannenrain bis zur Endhaltestelle Wannenrain fahren. Nach einer Wartezeit fährt der Bus dann über die Haltestellen Gestütsweg und Königsallee wieder in Richtung ZOB.

Fahrgäste aus Brühl können noch bis Mitte 2021 die Brücke über der B 10 zu den Haltestellen Württembergstraße und Königsallee nutzen. Der Weg durch die Unterführung zur geplanten Ersatzhaltestelle im Kreuzungsbereich Weilstraße/Wannenrain bleibt durchgängig geöffnet.

Die neue Brücke

Visualisierung des Ersatzneubaus
Visualisierung des Ersatzneubaus. Quelle: Leonhardt, Andrä und Partner.

Das Erscheinungsbild der neuen Stahlverbundbrücke bleibt im Wesentlichen unverändert. Weil die bestehenden Pfeiler im Neckar aus wirtschaftlichen Gründen weitergenutzt werden, wird auch der Überbau künftig als Balkenbrücke ausgebildet. Die unter der Brücke verlaufenden Gas-, Wasser- und Stromleitungen werden durch einen halbtransparenten Gitterrost verdeckt. Betonfertigteile im Fahrbahnbereich verkürzen die Bauzeit und verringern die Baukosten. Die Verwendung heller Farbtöne unterstützt das schlichte, harmonisch schlanke Erscheinungsbild der Brücke.

Künftige Fahrbahnaufteilung

Künftige Fahrbahnaufteilung
Künftig wird es zwei Fahrspuren und einen kombinierten Rad- und Fußweg geben.


Während bislang eine dreispurige Straße über die Brücke führt, wird künftig auf eine Spur verzichtet. Lediglich für die Abfahrt auf die B 10 in Richtung Stuttgart wird eine zusätzliche Abbiegespur eingerichtet. Ein verkehrliches Gutachten hatte ergeben, dass eine Fahrspur je Richtung auch in Spitzenstunden ausreichend leistungsfähig ist und Rückstauungen zu normalen Verkehrszeiten nicht zu erwarten sind. Unterstützend wird außerdem die Ampelsteuerung entsprechend angepasst. Die Spurbreiten werden den heutigen Richtlinien entsprechend von 3 auf 3,75 m ausgeweitet und bieten so erhöhte Verkehrssicherheit.

Ein kombinierter Rad- und Fußweg mit einer nutzbaren Breite von 3 m wird auf der westlichen Brückenseite eingerichtet. Da auf der östlichen Brückenseite lediglich ein schmaler Notgehweg entsteht, wird die Fußgängertreppe zur Palmenwaldstraße in Brühl auf die westliche Straßenseite verlegt. Ein Fußgängerüberweg auf der Brücke, der den Verkehrsfluss beeinträchtigt und immer auch eine Gefahrenstelle darstellt, wird so nicht mehr benötigt. Auch die weitergehenden Fußgängerführungen in Brühl und Mettingen werden optimiert.